Glossar der Prozessautomatisierung
Schlüsselbegriffe der Prozessautomatisierung und -optimierung verstehen
Lernen Sie die Terminologien der Prozessautomatisierung kennen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Branchen wie der Chemie-, Pharma- und Lebensmittelproduktion, in denen Prozesseffizienz, Sicherheit und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften von entscheidender Bedeutung sind.
A
Alarmmanagement
Definition: Alarmmanagement umfasst die Gesamtheit aller Maßnahmen zur Gestaltung, Auswahl und Überwachung von Alarmen in Prozessleitsystemen. Ziel ist es, sicherzustellen, dass nur sicherheits- oder prozessrelevante Meldungen an das Bedienpersonal ausgegeben werden, um eine Informationsüberflutung ("Alarm Flooding") zu vermeiden.
Relevanz für Dienstleistungen: In komplexen verfahrenstechnischen Anlagen, wie in der Chemie oder Pharmazeutik, ist ein strukturiertes Alarmmanagement die Voraussetzung für die Betriebssicherheit. Es ermöglicht im Krisenfall eine schnelle Ursachenanalyse und verhindert kostspielige Fehlreaktionen oder Anlagenausfälle.
Anlagenmodernisierung (Retrofit)
Definition: Unter Retrofit versteht man die Modernisierung oder den Ausbau bestehender (Legacy-)Anlagen durch den Einsatz aktueller Automatisierungskomponenten und Software. Im Gegensatz zum Neubau bleibt die physikalische Grundsubstanz der Anlage weitgehend erhalten.
Relevanz für Dienstleistungen: In der Energieversorgung oder bei etablierten Produktionsstandorten ist dies oft der einzige Weg, um die Effizienz und Nachhaltigkeit zu steigern, ohne die Infrastruktur komplett zu erneuern. Es dient der Anpassung an moderne IT-Sicherheitsstandards und regulatorische Vorgaben
APC (Advanced Process Control)
Definition: APC bezeichnet fortgeschrittene Regelungsverfahren, die über die klassische PID-Regelung hinausgehen. Dazu gehören insbesondere modellbasierte prädiktive Regelungen (MPC), die mehrere Ein- und Ausgangsvariablen gleichzeitig berücksichtigen und Prozessstörungen proaktiv kompensieren.
Relevanz für Dienstleistungen: APC ist in energieintensiven Industrien relevant, in denen minimale Abweichungen von Sollwerten hohe Kosten verursachen. Das Umfeld erfordert eine exakte Steuerung chemischer oder thermischer Prozesse, um die Produktqualität bei maximalem Durchsatz zu stabilisieren.
Asset Management
Definition: Dies beschreibt die systematische Verwaltung und Instandhaltung aller Betriebsmittel (Sensoren, Aktoren, Computer) über ihren gesamten Lebenszyklus. Digitale Asset-Management-Systeme erfassen Zustandsdaten für die vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance).
Relevanz für Dienstleistungen: In hochgradig vernetzten Produktionsumgebungen ist dies die Basis, um die Verfügbarkeit sicherzustellen und Instandhaltungskosten planbar zu machen. Es minimiert das Risiko unvorhergesehener Stillstände in zeitkritischen Branchen wie der Halbleiterindustrie.
ATEX (Explosionsschutz)
Definition: ATEX steht für „Atmosphères Explosibles“ und bezeichnet die europäischen Richtlinien für das Inverkehrbringen von Geräten und den Betrieb von Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen. Es regelt die Einteilung in Zonen basierend auf der Wahrscheinlichkeit einer explosionsfähigen Atmosphäre.
Relevanz für Dienstleistungen: In Umgebungen, in denen brennbare Gase, Dämpfe oder Stäube verarbeitet werden (z. B. Gasverdichtung oder chemische Reaktoren), ist die Einhaltung dieser Richtlinien zwingend vorgeschrieben. Eine fachgerechte Planung verhindert personelle Katastrophen und den Verlust der Betriebserlaubnis
Audit Trail
Definition: Ein Audit Trail ist ein computergeneriertes, manipulationssicheres Protokoll, das jede Änderung an einem Datensatz oder einer Systemeinstellung erfasst. Es wird dokumentiert, wer, was, wann und warum geändert hat.
Relevanz für Dienstleistungen: In der Pharmaindustrie und anderen streng regulierten Sektoren ist dies eine Grundvoraussetzung für die Einhaltung von Compliance-Vorgaben wie GAMP5 oder 21 CFR Part 11. Ohne einen lückenlosen Audit Trail ist die Validierung der Prozesse und damit die Marktzulassung von Produkten unmöglich.
Automatisierungsgrad
Definition: Diese Kennzahl beschreibt das Verhältnis von automatisierten Funktionen zu den gesamten Funktionen eines Prozesses. Ein hoher Automatisierungsgrad reduziert den menschlichen Eingriff durch den Einsatz von Sensorik, Steuerungstechnik und Software.
Relevanz für Dienstleistungen: In Märkten mit hohem Kostendruck und Fachkräftemangel ist die Erhöhung des Automatisierungsgrads ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Das Umfeld ist geprägt von dem Ziel, Fehlerraten zu senken und die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse zu garantieren.
Ausfallsicherheit (Redundanz)
Definition: Ausfallsicherheit wird durch die Bereitstellung zusätzlicher (redundanter) Komponenten erreicht, die bei einem Defekt sofort die Funktion übernehmen. Dies betrifft sowohl die Hardware (z. B. Controller) als auch Kommunikationswege und Energieversorgungen.
Relevanz für Dienstleistungen: In kritischen Infrastrukturen wie der Energieversorgung oder bei kontinuierlichen chemischen Prozessen führt ein Systemausfall zu massiven wirtschaftlichen Schäden oder Gefahrensituationen. Redundanzkonzepte stellen sicher, dass die Produktion auch im Fehlerfall sicher fortgeführt oder kontrolliert beendet werden kann.
Aktorik
Definition: Aktorik bezeichnet die Gesamtheit der technischen Bauelemente, die elektrische Signale aus der Steuerung in mechanische Bewegung, Druck oder Wärme umwandeln. Beispiele sind pneumatische Ventile, elektrische Stellmotoren oder Pumpen.
Relevanz für Dienstleistungen: Sie bildet die Schnittstelle zwischen der digitalen Steuerungsebene und dem physikalischen Prozess. In der Prozessoptimierung ist die präzise Ansteuerung der Aktorik entscheidend für die Materialflusssteuerung und die Einhaltung enger Toleranzen in der Fertigung.
Agile Projektierung
Definition: Agile Projektierung in der Automatisierung bedeutet die iterative Entwicklung von Software- und Steuerungslösungen in engen Zyklen (Sprints). Statt starrer Lastenhefte steht die kontinuierliche Anpassung an neue Anforderungen im Vordergrund.
Relevanz für Dienstleistungen: In der digitalen Transformation müssen Unternehmen schnell auf Marktveränderungen reagieren. Das agile Umfeld ermöglicht es, komplexe IT- und Automatisierungsprozesse flexibel zu gestalten und durch regelmäßiges Feedback zwischen Betreibern und Entwicklern Fehlentwicklungen frühzeitig zu korrigieren.
B
Batch-Verfahren
Ein diskontinuierlicher Produktionsprozess, bei dem eine definierte Menge eines Produkts in einem Zyklus hergestellt wird, oft durch Rezeptsteuerung in der Prozessautomatisierung.
C
CIP (Cleaning in Place)
Ein Verfahren zur automatisierten Reinigung von Anlagen und Rohrleitungssystemen ohne Demontage, essenziell in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie.
D
Digitalisierung
Die Umwandlung analoger Prozesse in digitale Workflows zur Effizienzsteigerung und besseren Nachverfolgbarkeit von Produktionsdaten.
E
EMSR-Technik
Elektro-, Mess-, Steuer- und Regelungstechnik, die für die Überwachung und Steuerung von verfahrenstechnischen Prozessen verantwortlich ist.
F
Feldgeräte
Sensoren und Aktoren, die physikalische Größen messen oder Prozesse beeinflussen, z. B. Temperatur-, Drucksensoren oder Stellventile.
G
GMP (Good Manufacturing Practice)
Regulierter Standard zur Sicherstellung der Produktqualität in der Pharma- und Lebensmittelproduktion.
H
HAZOP-Analyse
Methode zur systematischen Identifikation und Bewertung von Prozessrisiken, um Sicherheit und Compliance zu gewährleisten
I
Industrie 4.0
Die digitale Vernetzung von Produktionssystemen zur intelligenten Steuerung und Optimierung von Abläufen in Echtzeit.
J
Just-in-Time-Produktion
Strategie zur Vermeidung von Lagerbeständen durch die punktgenaue Bereitstellung von Materialien im Produktionsprozess.
K
Kalibrierung
Die Überprüfung und Justierung von Messinstrumenten zur Sicherstellung genauer Messwerte in kritischen Produktionsprozessen.
L
Leittechnik
Die zentrale Steuerung und Überwachung von Produktionsprozessen mithilfe von SCADA- oder DCS-Systemen.
M
MTP (Module Type Package)
Standardisierte Schnittstelle für modulare Produktionsanlagen, um flexible und schnelle Änderungen in der Produktion zu ermöglichen.
N
NAMUR-Empfehlungen
Richtlinien für Automatisierungstechnik in der Prozessindustrie, erstellt von der Interessengemeinschaft NAMUR.
O
OPC UA
Open Platform Communications Unified Architecture. Ein standardisiertes, plattformunabhängiges Kommunikationsprotokoll für die Interoperabilität industrieller Automatisierungssysteme.
P
Prozessleitsystem (PLS)
Ein übergeordnetes Steuerungssystem für komplexe Produktionsprozesse, das Automatisierung und Überwachung kombiniert.
Q
Qualitätssicherung (QS)
Maßnahmen zur Sicherstellung gleichbleibender Produktqualität in verfahrenstechnischen Prozessen.
R
Retrofit
Die Modernisierung bestehender Produktionsanlagen durch den Austausch oder die Nachrüstung neuer Automatisierungskomponenten.
S
SIL (Safety Integrity Level)
Sicherheitsstandard zur Bewertung der Zuverlässigkeit sicherheitskritischer Steuerungen und Prozesse.
T
Tracking & Tracing
Systeme zur Rückverfolgbarkeit von Materialien und Produkten über die gesamte Liefer- und Produktionskette hinweg.
U
Ursachenerkennung (RCA)
Root Cause Analysis. Methodik zur Identifikation der Grundursache von Problemen in der Prozessautomatisierung.
V
Validierung
Der Nachweis, dass ein Prozess unter definierten Bedingungen konstant Produkte mit vorgegebenen Spezifikationen herstellt.
W
Wartungsmanagement
Die Planung und Durchführung von Instandhaltungsmaßnahmen zur Sicherstellung der Anlagenverfügbarkeit und -sicherheit.
X
XML für industrielle Kommunikation
Einsatz von XML als Standard zur strukturierten Datenübertragung zwischen verschiedenen Automatisierungssystemen.
Y
Yield-Optimierung
Strategien zur Maximierung der Produktausbeute durch Prozessverbesserung und Qualitätskontrolle.
Z
Zonenmodell (ATEX)
Ein Klassifizierungssystem für explosionsgefährdete Bereiche zur Festlegung sicherheitsrelevanter Anforderungen.
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