Was ist Inmation? - cts Group Blog
Clemens Schadner
Clemens Schadner
Industrieinformatik · · 8 Min. Lesezeit

Was ist Inmation - und warum setzen Industrieunternehmen auf diese Plattform?

Produktionsdaten entstehen in Hülle und Fülle - in Steuerungen, Sensoren und Leitsystemen. Das Problem: Sie sprechen unterschiedliche Sprachen. Inmation ist die Plattform, die diese Lücke meiner bzw. unserer Erfahrung nach am besten schließt - und auf der sich individuelle Lösungen direkt aufbauen lassen.

Wer in der Prozessindustrie arbeitet - in der Chemie, Pharmafertigung oder Energieerzeugung - kennt das Problem aus dem Alltag: Produktionsdaten sind überall vorhanden, aber selten dort, wo sie gebraucht werden. Ein Temperatursensor liefert Messwerte an eine SPS, die SPS kommuniziert mit einem SCADA-System, das SCADA-System soll Daten mit dem MES austauschen und final werden diese ins ERP-System geliefert - wir kennen das als die klassische Automatisierungspyramide. Aber irgendwo auf diesem Weg geht der Zusammenhang (meist) verloren.

Genau hier setzt Inmation an. Die Software-Plattform sammelt Daten aus unterschiedlichsten Quellen, kann diese normalisieren und stellt sie in Echtzeit bereit - als Grundlage für Auswertungen, Dashboards und individuell entwickelte Anwendungen, die auf den konkreten Bedarf des jeweiligen Unternehmens zugeschnitten sind.

Was also ist Inmation?

Inmation ist kein klassisches SCADA-System und kein Historian im traditionellen Sinne - auch wenn es Funktionen beider Welten vereint. Treffender ist der Begriff Industrial Data Platform : eine zentrale Schicht, die Produktionsdaten aus den Anlagen empfängt, verarbeitet, speichert und für weitere Anwendungen bereitstellt. Und das alles nach Bedarf, um Best Practices wie "Data Ownership" oder "Use Case Ownership" zu gewährleisten.

Datensammlung

Inmation verbindet sich mit OPC UA, OPC DA, Modbus, MQTT und weiteren Industrieprotokollen. Messwerte aus Feldbusgeräten, Steuerungen und Leitsystemen werden direkt erfasst - ohne manuelle Exportschritte.

Normalisierung & Kontext

Rohdaten werden in ein einheitliches Datenmodell übersetzt. Tags aus verschiedenen Systemen erhalten Kontext: Einheit, Grenzwert, Anlage, Verantwortlicher.

Echtzeit-Verarbeitung

Berechnungen, Aggregationen und Alarmlogiken laufen direkt in der Plattform - ohne externe Skripte oder Batch-Exporte. Das Ergebnis ist in Millisekunden verfügbar.

Offene Plattform für eigene Anwendungen

Über die Inmation-eigene REST-API und das integrierte Scripting-Framework (mittels Lua) lassen sich auf Inmation individuelle Tools und Anwendungen direkt aufbauen - ohne Systemwechsel.

Architektur: inmation als zentrale Datenschicht Klicken Sie auf eine Ebene für Details
inmation Architektur: Zentrale Datenschicht zwischen OT und IT Schematische Darstellung der inmation-Plattform. Links: OT-Quellsysteme (SPS, SCADA, Sensoren, Historian). Mitte: inmation Industrial Data Platform mit Normalisierung, Echtzeit-Engine und APIs. Rechts: IT-Zielsysteme (ERP, MES, BI) sowie individuelle Tools, die direkt auf inmation aufgebaut werden. OT-SCHICHT SPS / PLC Modbus · EtherNet/IP SCADA-System OPC DA · OPC UA · REST Sensoren & Feldgeräte 4–20 mA · HART · IO-Link Historian / DCS AVEVA PI · Wonderware inmation Industrial Data Platform Normalisierung · Berechnung · Speicherung Echtzeit-Engine · Kontextualisierung · APIs ANWENDUNGEN ERP (SAP / Oracle) REST · OData · Datenbanklink MES / BI-Dashboards Power BI · Grafana · Tableau Individuelle Tools Auf inmation aufgebaut Cloud / Data Lake Azure IoT · AWS IoT · On-Prem
OT-Quellsysteme
inmation (Datenschicht)
IT-Zielsysteme
Individuelle Tools auf inmation

Warum klassische Integrationen scheitern

Viele Industrieunternehmen lösen das Datenproblem heute mit einer Kombination aus Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, manuellen Exporten und eigenentwickelten Skripten. Oder durch Transferieren der Daten in die Cloud bzw. in ein Datalake. Das funktioniert - bis eine neue Anlage hinzukommt, ein System ausgetauscht wird oder die Datenmenge wächst und der Kontext immer weiter verloren geht.

Das Grundproblem: OT-Systeme sind auf Stabilität und Echtzeitfähigkeit ausgelegt. IT-Systeme sind auf Datenvolumen und Flexibilität ausgelegt. Ohne eine vermittelnde Schicht sprechen beide Welten aneinander vorbei - in unterschiedlichen Protokollen, Datenformaten und Zeitstempelformaten. Wir sehen Inmation als Produkt, dass die Lücken zwischen IT und OT schließen kann. Das trifft nämlich auch auf Unternehmen zu, welche nicht "IT" und "OT" gegossen sind, sondern diese beiden Sektionen verschmolzen haben - in diese Richtung entwickelt es sich aus unserer Sicht auch immer weiter hin.

Konkretes Beispiel: Eine Produktionsanlage in der chemischen Industrie betreibt 1.200 Messpunkte über drei verschiedene SPS-Hersteller. Jede SPS liefert Daten in einem anderen Format, mit unterschiedlicher Abtastrate. Ohne zentrale Datenschicht: drei separate Quellen, drei separate Auswertungen, keine konsistente Gesamtsicht. Mit Inmation: eine einheitliche Datenbasis - auf der sich direkt auswerten, alarmieren und weiterentwickeln lässt.

Was Inmation von einem klassischen Historian unterscheidet

Viele Prozessunternehmen setzen bereits einen Historian ein - Systeme wie AVEVA PI sind in der Branche weit verbreitet. Inmation geht konzeptionell weiter:

Historian (klassisch)

Speichert Zeitreihendaten passiv. Bietet historische Auswertung und Trending. Starr in der Datenmodellierung. Schnittstellen oft proprietär. Keine eigene Anwendungslogik.

Inmation (Industrial Data Platform)

Speichern ist optional. Verarbeiten der Daten in Echtzeit steht im Fokus. Führt Berechnungen und Alarmlogiken direkt durch. Offene APIs. Und: Anwendungen lassen sich direkt auf der Plattform entwickeln und betreiben. Kann als zentrale Schnittstelle für eine Vielzahl von Anwendungsfällen verwendet werden.

Der entscheidende Unterschied liegt nicht nur in der Verarbeitungslogik, sondern im Plattformgedanken: Inmation ist kein Endpunkt, sondern ein Fundament. Unternehmen, die heute Daten sammeln, können morgen darauf aufbauend eigene Monitoring-Tools, Reporting-Anwendungen oder Alarmierungslösungen entwickeln - ohne die Dateninfrastruktur neu aufzubauen.

Individuelle Tools auf Inmation aufbauen

Eine der zentralen Stärken von Inmation ist die Möglichkeit, direkt auf der Plattform anwendungsspezifische Tools zu entwickeln. Das Inmation-Scripting-Framework erlaubt es, Geschäftslogik, Berechnungen und Auswertungen in die Datenschicht selbst zu integrieren - nah an den Daten, ohne externe Middleware.

In der Praxis entstehen so Lösungen, die exakt auf den Bedarf des jeweiligen Unternehmens zugeschnitten sind - standortspezifisch, als auch als globale Lösung. Einige typische Beispiele:

Monitoring

Anlagen-Dashboards

Live-Übersicht über Anlagenzustände, Grenzwerte und Abweichungen - direkt aus Inmation, ohne separates BI-Tool.

Reporting

Automatisierte Berichte

Schicht-, Tages- oder Chargenberichte werden aus den Inmation-Daten automatisch generiert und verteilt.

Alarmierung

Intelligente Alarmlogiken

Grenzwerte, Toleranzbänder und Muster werden direkt in Inmation definiert - mit automatischer Benachrichtigung bei Abweichungen.

Compliance

GxP-Aufzeichnungen

Automatische, unveränderliche Aufzeichnung von Prozessdaten für Pharmabetriebe - auditfähig ohne Nacharbeit.

Effizienz

OEE-Berechnung

Overall Equipment Effectiveness direkt aus Produktionsdaten berechnet - ohne manuelle Dateneingabe oder externe Tools.

Wartung

Predictive Maintenance

Laufzeitdaten und Schwingungswerte werden analysiert, um Wartungsbedarfe frühzeitig zu erkennen - bevor es zum Stillstand kommt.

Wichtig: Diese Tools werden nicht von Inmation mitgeliefert, sondern auf der Plattform entwickelt - angepasst auf die spezifischen Prozesse, Normen und Anforderungen des jeweiligen Unternehmens. Das ist der Unterschied zwischen einer Softwarelösung von der Stange und einer Datenschicht, die als Fundament für eigene Lösungen dient.

Typische Einsatzbereiche

⚗️
Chemie & Petrochemie
Anlagenüberwachung, Prozessoptimierung, ATEX-konforme Datenerfassung aus Gefahrenbereichen
💊
Pharma & Life Sciences
GxP-konforme Prozessdatenerfassung, elektronische Batch-Records, FDA-21-CFR-Part-11-Compliance
Energie & Versorgung
Echtzeit-Monitoring von Erzeugungsanlagen, Grid-Daten, Predictive-Maintenance-Integration
🏭
Lebensmittel & Getränke
Rückverfolgbarkeit von Chargen, Temperatur-Monitoring entlang der Produktionslinie
🔩
Metallurgie & Stahl
Hochtemperaturmessungen, Aggregatüberwachung, Qualitätsdaten aus Walzstraßen
🔬
Elektronikfertigung
Traceability von Fertigungslinien, OT/IT-Vernetzung über mehrere Standorte

OT/IT-Konvergenz: Warum das Thema jetzt dringend wird

Lange Zeit waren OT und IT getrennte Welten - aus gutem Grund. Produktionsanlagen sind auf Stabilität ausgelegt, nicht auf Vernetzung. Gleichzeitig ist die Isolation keine Option mehr: Energieeffizienz, Predictive Maintenance, Qualitätsoptimierung und Berichtspflichten nach EU-Taxonomie setzen voraus, dass Produktionsdaten strukturiert verfügbar sind.

Inmation adressiert diesen Konflikt durch eine klare Architekturentscheidung: Die OT-Systeme werden nicht berührt. Die Plattform liest Daten aus dem Feld, ohne in Steuerungen einzugreifen. Das reduziert Sicherheitsrisiken und vereinfacht die Akzeptanz bei Betriebsleitern und Sicherheitsbeauftragten erheblich.


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