Kompaktes oder zentrales Lagersystem? Welche Lösung zu Ihrem Trägermix passt – cts Group Blog
Josef Höving
Josef Höving, cts Group
Fertigungsautomatisierung · · 8 Min. Lesezeit

Kompaktes oder zentrales Lagersystem? Welche Lösung zu Ihrem Trägermix passt

Die Wahl des richtigen automatisierten Lagersystems in der SMT-Fertigung hängt nicht von der verfügbaren Technik ab, sondern davon, welche Rolle das Lager im Gesamtmaterialfluss übernehmen soll: liniennaher Puffer für überschaubare Materialgruppen oder zentraler Versorgungs- und Umlaufknoten für mehrere Linien mit hoher Mix-Dynamik.

Die falsche Frage ist: „Wie viel Lager brauche ich?" Die richtige Frage ist: „Welche Aufgabe soll das Lager im Materialfluss übernehmen?" Wer diese Frage beantwortet hat, trifft die Systementscheidung fast von selbst.

In der Beratungspraxis begegnet uns oft dieselbe Ausgangssituation: Ein Betrieb wächst, der Trägermix wird komplexer, und irgendwann reicht der Status quo nicht mehr. Die Frage lautet dann: kompaktes, liniennahes System – oder zentrales Lager mit mehr Kapazität und Prozessstruktur?

Bei cts bewerten wir diese Entscheidung nicht anhand von Kapazitätszahlen allein. Entscheidend ist, welche Rolle das Lagersystem im Gesamtmaterialfluss übernehmen soll – und welche Anforderungen daraus für Durchsatz, Variantenmix, Rückgaben und IT-Einbindung entstehen.


Die Systeme im direkten Vergleich

Kriterium cts OCTA Storage cts CUBE Storage
Primäre Rolle Liniennaher Puffer mit Lagerlogik Zentraler Versorgungs- und Umlaufknoten
Passend für Wenige Linien, überschaubarer Materialmix, klare Versorgungsroutinen Mehrere Linien, hohe Mix-Dynamik, viele Rückläufe und Trägertypen
Zugriffszeiten Sehr kurz durch Liniennähe Längere interne Wege, kompensiert durch bessere Zonenstruktur
Zonenbildung Begrenzt – funktioniert gut bei homogenem Mix Ausgeprägt – saubere Trennung von Trägertypen, Rückgaben, Klärfällen
Skalierbarkeit Modular erweiterbar als OCTA-Cluster Von vornherein auf Wachstum ausgelegt
Rüst-Spitzen Puffert überschaubare Spitzen Robuster bei hoher Rücklaufdynamik
Platzbedarf Kompakt, eng an der Linie möglich Mehr Fläche, zentralere Platzierung sinnvoll

Welche Fragen zur Entscheidung führen

Wir arbeiten nicht mit Bauchgefühl, sondern mit einer kurzen Prozess- und Mengensicht. Die folgenden Fragen strukturieren die Entscheidung in der Praxis:

Entscheidungsrahmen: OCTA oder CUBE? Basierend auf realen Projektkriterien
Wie viele Linien sollen versorgt werden – und wie oft wird zugegriffen?
Tendenz OCTA
Wenige Linien, hohe Nachschubfrequenz
Kurze Wege und schnelle Zugriffe sind der Hauptnutzen
Tendenz CUBE
Mehrere Linien, parallele Bedarfe
Zentrale Versorgung mit Prozessentkopplung
Wie hoch ist der Rücklaufanteil – und wie komplex sind Rückgaben und Klärfälle?
Tendenz OCTA
Überschaubare Rückläufe, wenig Kläraufwand
Standardpfade genügen
Tendenz CUBE
Hoher Rücklaufanteil, viele Ausnahmen
Saubere Zonentrennung notwendig
Dominieren Reels den Trägermix?
Alternative prüfen
cts REEL Storage
Spezialisiert auf Rollen: vertikale Lagerung, flexible Platzführung, optional MSD-Klimazone – sinnvoll, wenn Reels der dominante Engpass sind
Kombination möglich
REEL Storage + OCTA oder CUBE
Für den restlichen Trägermix
Wie stark wird der Mix in den nächsten Jahren wachsen?
Tendenz OCTA
Stabiler Mix, klares Wachstum planbar
Modular als OCTA-Cluster erweiterbar
Tendenz CUBE
Stark wachsender Mix, neue Trägertypen erwartet
CUBE bleibt stabil, wo OCTA durch Sonderregeln unübersichtlich wird

Was beim OCTA funktioniert – und wo es an Grenzen stößt

Der OCTA Storage funktioniert dann sehr gut, wenn ein klar abgegrenzter Versorgungsbereich effizient organisiert werden soll. Formate und Prozesse dürfen dabei nicht zu stark ausufern. Einschränkungen entstehen, wenn viele Trägertypen mit sehr unterschiedlichen Rückgabe- und Handhabungslogiken gleichzeitig sauber getrennt werden müssen – oder wenn Rückläufe und Klärfälle zu viel Fläche und Bedienzeit beanspruchen.

⚠ Typisches Wachstumsproblem

Der Unterschied zwischen OCTA und CUBE zeigt sich meist nicht beim ersten Ausbau – sondern beim zweiten oder dritten. Wenn neue Trägertypen dazukommen oder der Mix deutlich steigt, läuft ein OCTA Gefahr, durch zusätzliche Sonderregeln unübersichtlich zu werden.

Hinweis zur CUBE-Erweiterung: Eine physische Erweiterung des CUBE geht mit Downtime für Umbau und Wiederinbetriebnahme einher. In der Praxis wird deshalb der Weg einer zukunftssicheren Dimensionierung mit ausreichend Reserve bevorzugt. Eine Erweiterung durch ein zusätzliches Lagersystem ist jederzeit möglich – mit nahtloser Integration in die bestehende Systemlandschaft, nicht als Parallelwelt neben MES/ERP.

Welche Szenarien für welches System sprechen

cts OCTA Storage

Typische Einsatzszenarien

Wenige Linien, überschaubarer Materialmix, Hauptnutzen in schnellen Übergaben und geordneten Rückgaben. High-Runner-Bereiche oder klare Versorgungsroutinen ohne starke Rüstdynamik.

cts CUBE Storage

Typische Einsatzszenarien

Mehrere Linien mit hoher Mix-Dynamik, vielen Rückläufen und verschiedenen Trägertypen. Oder: bewusster Aufbau eines zentralen Knotens für Lager, Puffer und Rückführung.

cts REEL Storage

Fokussierte Alternative für Reels

Vertikale Lagerung, flexible Platzführung ohne starre Größenbindung, optional MSD-Klimazone. Besonders sinnvoll, wenn Reels der dominante Engpass sind und kein Universal-Warehouse benötigt wird.

Kombination

Hybrid-Ansatz

Für Reel-lastige SMT-Fertigungen: REEL Storage als spezialisierter Baustein plus OCTA oder CUBE für den restlichen Trägermix. Jeder Baustein übernimmt die Aufgabe, für die er ausgelegt ist.

IT-Einbindung in allen Varianten: MES/ERP bleiben übergeordnet, die Liniensoftware führt Identifikation und Verbrauch. Die Lagerlogik – ob OCTA, CUBE oder REEL – ist so angebunden, dass ein Ausbau später nicht zu einem Systembruch führt.

Fazit: Die Systementscheidung folgt dem Prozess

Weder OCTA noch CUBE ist pauschal das bessere System. Die Entscheidung folgt aus dem Prozess: Welche Spitzen treten auf? Wie oft wird zugegriffen? Wie viel Rücklauf entsteht? Wo entstehen Suchzeiten und Stillstände? Welche Schutzanforderungen gelten? Wer diese Fragen nüchtern beantwortet, bekommt eine klare Antwort – ob ein kompaktes liniennahes System reicht, ob ein zentraler Flussknoten notwendig ist, oder ob eine Kombination die beste Balance aus Nutzen, Aufwand und Skalierbarkeit liefert.

Welches System passt zu Ihrem Betrieb?

Wir analysieren Spitzen, Trägermix, Rücklaufanteil und Schutzanforderungen – und zeigen, welche Lösung den größten Hebel hat.

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